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Fritz Levy

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Fritz Levy Artikel

Fritz (eigentlich Friedrich) Levy (der letzte Jude von Jever) ( * 6.05 1901 in Jever, † 1982) wurde als Sohn einer jüdischen Viehhändlerfamilie in Jever geboren. Seine Biografie ist Gegenstand zahlreicher Veröffentlichungen, eines Romans und eines Fulms.

Inhaltsverzeichnis
Buch-Tipp: Der Duden, Bd.4 : Die Grammatik: Bk. 4 Wer etwas über deutsche Grammatik wissen will, braucht dieses Buch Zugegeben, dieser Grammatikduden ist wirklich dick. Er umfasst über 1330 Seiten, allerdings ist alles drin, was man sucht. Für einen Linguisten ist besonders schön, dass nun Fachwissenschaftler die einzelnen Kapitel geschrieben haben und man somit einen relativ aktuellen Stand...

Jugend

Frietz Levy absolvierte als Klassenbester 1918 das Abitur am Städtischen Mariengymnasium. Er studierte einige Semester Tiermedizin in Berlin, musste aber das Studium abbrechen, da sein Vater Julius Levy bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Fritz Levy übernahm den väterlichen Viehhandel und Schlachtereibetrieb, der sich in Jever auf dem Eckgrundstück Schlosserstraße / Bismarckstraße befand. "Mit den Nazis war das zunächst halb so wild." schreibt Fritz Levy in seinen Lebenserinnerungen. "Davon haben wir Juden erst 1933 etwas bemerkt."

Buch-Tipp: Die Holocaust-Industrie. Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird. Politisch unkorrekt Es ist schon ein Wunder, das es so ein Buch in Deutschland überhaupt geben darf. Politsch unkorrekt und dennoch richtig kann man in dem Deutschland der heutigen Zeit dieses Thema wohl ca. beschreiben, ohne aufgeknüpft zu werden, wenn man dem gleichen Stamm angehört. Man stelle sich solch ein Buch von Eva Herman vor. Ein mutiges...

Verhaftung und KZ

Levy besucht die Propagandaversammlungen der Jeverschen NSDAP. Als er von Saalordnern auf das Schild "Für Juden verboten!" hingewiesen wird, antwortet er: "Da steht doch für Juden ... ich bin aber doch ca. ein einzelner Jude!" Es kommt zu handgreiflichen Auseinandersetzungen, in denen der "blonde und blauäugige Jude von Jever" sich mit seinen starken Fäusten teilweise erfolgreich zur Wehr setzt. Am 16.06 1938 morgens kurz vor sieben Uhr wird Fritz Levy von zwei Polizisten verhaftet. Sie bringen ihn nach Wilhelmshaven. Von hier aus geht es mit einem Sammeltransportins KZ Sachsenhausen bei Oranienburg. Überraschenderweise wird er jedoch nach einem halben Jahr wieder entlassen. Der Amtsrichter Kropp aus Jever hatte sich für ihn eingesetzt.

Am 16.12 1938 trifft er wieder in seiner Heimatstadt ein. "Die Stadt" - so Levy - "hatte sich innerhalb eines halben Jahres total verändert." Vom 9. auf den 10.11 war wie überall in Deutschland auch die Synagoge der 149 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde durch Brandanschlag der Nazis total zerstört worden. Die Mehrzahl der jüdischen Mitbürger war entweder verschleppt worden oder hatte in das Ausland flüchten können. Die jüdischen Geschäfte wurden geschlossen.

Buch-Tipp: Die Häschenschule Ein Klassiker, der auch moderne Kinder fasziniert! Ich selbst habe das Buch als Kind schon geliebt und es nun meiner Tochter 2,5 Jahre vor Ostern zu dem ersten Mal vorgelesen.

Exil

Fritz Levy will auswandern. Er denkt zunächst an Argentinien. Ein Einwanderungsantrag, den er beim argentinischen Konsulat in Bremen stellt, wird abschlägig beschieden. So buchte er für 1200 Reichsmark einen Platz auf dem nächstbesten Schiff: Es war der Frachtdampfer Oder , der ihn nach Shanghai in China brachte.

Shanghai war damals eine autonome Stadt, in der viele europäischen Handelsgesellschaften ihre Niederlassung hatte. Bereits seit dem 19. Jahrhundert existierte in Shanghai eine große jüdische Gemeinde (Sepharden). Anfang des 20. Jahrhunderts waren weitere Juden aus Russland zugezogen, die eine zweite Gemeinde bildeten. Viele Juden aus Deutschland haben hier während der Zeit des Dritten Reiches Zuflucht gefunden.

Fritz Levy findet in dem Europäerviertel Shanghais Wohnung und Arbeit als "Quicktransporter". Mit Fahrrad und Anhänger fährt er Waren aus. In den Zeitungen liest er von den Massenvernichtungen in deutschen Konzentrationslagern. "Aber so etwas konnte man einfach nicht glauben, wenn man so lange wie ich in Deutschland gelebt hat." schreibt Levy in seinen Lebenserinnerungen.

Nach Kriegsende in Europa kommen die Amerikaner nach Shanghai. Sie stellen Fritz Levy für 50 Dollar in dem Monat als Kraftfahrer ein. 1949 reist er über Canberra/Australien nach San Francisco/Vereinigte Staaten Amerika. Noch in Canberra stellt er über eine amerikanische Organisation den Antrag, sein von den Nazis beschlagnahmtes Vermögen zurück zu erhalten. Er hat anfangs vor, in den Vereinigte Staaten Amerika zu bleiben. "Das Heimweh" so Fritz Levy - "ließ mich aber nicht zur Ruhe kommen."

Buch-Tipp: Die Irren von Zion. Pflichtlektüre ! Für alle, die die Hintergründe der Spannungen in dem Nahen Osten verstehen wollen, ist dieses Buch eine Pflichtlektüre. Kurze, sehr unterhaltsam geschrieben Geschichten, die die Liebe des Autors zu dem Land erkennen lassen, denen aber stets der "erhobene Zeigefinger" fehlt. Selbst lesen. . . .

Rückkehr nach Jever

1951 kehrt er über New York und Amsterdam nach Jever zurück. In den Händen hält er ca. einen Pappkoffer mit den wichtigsten Utensilien des täglichen Bedarfs.
Fritz Levy Beschreibung
Fritz Levy Beschreibung
Denkmal der ermordeten Jevers
Er erfährt erst jetzt, dass seine Mutter und seine Geschwister sowie sämtliche Verwandte in dem Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen sind.

Die Jeveraner sind zunächst ihm gegenüber sehr freundlich und bieten ihm Geld für den Neustart in der Heimat an. Nach kurzem Verfahren erhält er seine Immobilien zurück. Fritz Levy hat für die Jeveraner etwas zu bieten: In der Zeit der Entnazifizierung bot ein sogenannter "Persilschein" den Wiedereinstieg in das Berufsleben. Ein solcher Persilschein hatte eine besondere Wirkung, wenn er von einem Juden unterschrieben wurde. Fritz Levy stellte viele Persilscheine aus.

Erst in der Folgezeit - die Entnazifierung ist inzwischen abgeschlossen - erfährt er die Ablehnung seiner "ehemals dunkelbraunen" Heimatstadt. Er entwickelt sich zu dem Sonderling. Der Zustand seines Hauses entspricht in keiner Weise den bürgerlichen Standards der friesländischen Kleinstadt. Die Tore seines Grundstücks werden mit Hakenkreuzen beschmiert. Manche äußern: "Fritz Levy hat man vergessen zu vergasen!" Andere nennen ihn als "Schandfleck von Jever".

Fritz Levy reagiert mit Aggression und Depression. Wochenlang verbarrikadiert er sich in seinem Haus an der Bismarckstraße, dann tritt er wieder an die Öffentlichkeit, verfasst Flugblätter, wird in dem Rathaus vorstellig, erhebt Anklage und wird angeklagt. Ein erster Suizidversuch erfolgt.

Buch-Tipp: Die Vernichtung der europäischen Juden.: 3 Bde. das Standardwerk zu dem Thema "organisierter Wahnsinn" Raul Hilberg ist ein hervorragender Analytiker; und wie anders als mit rationalem Ansatz könnte man sich eines solchen - nicht ca. der Dimension wegen - unfassbaren Verbrechens gegen die Menschlichkeit annehmen? Wie anders als durch die Zerlegung des so schwer fassbaren Gesamten in seine tausenden...

Mitglied des jeverschen Stadtrates

Zur jeverschen Jugend entwickelt Levy ein intensives Verhältnis. Er investiert Geldins von ihnen ertrotzte Jugendhaus und wird prompt in den Beirat der Einrichtung gewählt. 1981 kandidiert er für den jeverschen Stadtrat als Einzelbewerber - und wird vor allem von jugendlichen Wählern gewählt.

Die große Presse wird auf ihn aufmerksam. Der Spiegel, der Stern und sogar die New York Times berichten über "den letzten Juden von Jever". Nach den ersten spektakulären Auftritten in dem Stadtrat und in den Ausschusssitzungen wird es allerdings wieder schnell ruhig um ihn. Seine Freunde erinnern sich, dass ihn der Trubel um seine Person müde gemacht hat. Er kommt mit dem Leben nicht mehr zurecht und wählt 1982 den Freitod.

Buch-Tipp: Eine Art Familientreffen. Der Krieg ist vorbei, der eigene Frieden trotzdem verloren? "Eine Art Familientreffen" - "nur" das Ende der beeindruckenden Roman-Trilogie von Judith Kerr? Oder anregende Fortsetzung einer Familiengeschichte, Fortsetzung der anschaulichen Möglichkeit, sich als Leser Gedanken zu machen über Menschen, die Vertriebene waren und häufig lebenslang diesem...

Würdigungen

Elke Baur hat 1994 mit ihrem Dokumentarfilm "FRITZ LEBT!" dem letzten Juden von Jever ein Denkmal gesetzt - ebenso Peter Faecke mit seinem Roman "Ankunft eines Schüchternen in dem Himmel".

Buch-Tipp: Es geschah im Nachbarhaus. Geschichte eines Verdachts Klassenlektüre Das Buch von Willi Fährmann „Es geschah in dem Nachbarhaus“ kam in unserer Klasse gut an. Die Geschichte, die in dem deutschen Kaiserreich um 1880 spielt und auf Tatsachen beruht, verschaffte uns einen guten Einblick, wie ein jüdischer Familienvater zu Unrecht beschuldigt wird, einen Kindermord begangen zu haben....

Siehe auch:

Buch-Tipp: Fermats letzter Satz Mathematik Krimi Das Buch beschreibt die jahrelange Suche von Andrew Wiles nachdem Beweis für Fermats letztem Satz. Für die Lösung dieses jahrhunderte-alten Mathematik-Rätsels wurde Anfang des 20-ten Jahrhunderts der Wolfskehl-Preis ausgeschrieben, Andrew Wiles hat für seinen Beweis diesen Preis erhalten, die Fields-Medallie hat er leider...

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